Schölnasts schöne Datenbank: Täglich neues, nutzloses Wissen

schölnast.at: Walt Disney hatte Angst vor Mäusen - Claudia Lampert
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Auf welche Seite fallen vergiftete Ameisen? Schoelnasts Datenbank des nutzlosen Wissens liefert täglich einen überflüssigen Wissensschnipsel.

Datenbanken gibt es viele. Datenbanken, deren höchster Zweck die Zweckfreiheit ist, gibt es nicht so viele. Und Datenbanken, die mit ihrer Nutzlosigkeit werben, die muss man fast schon mit der Lupe suchen. Oder mit Google. Dann allerdings landet man trotz (oder vielleicht auch wegen) 13.400 Suchergebnissen über kurz oder lang bei Schoelnast. Und das ist auch gut so, denn die Ansammlung scheinbar nutzloser Wissensschnipsel ist nicht nur beeindruckend groß, sondern auch beeindruckend vielseitig und manchmal sogar beeindruckend nützlich.

Wie man gegen Krokodile kämpft und warum Kokosnüsse gefährlicher sind

Hier erfahren interessierte Leser zum Beispiel, dass ihnen ein Krokodil niemals die Zunge herausstrecken wird. Fressen – ja, das kann das Krokodil Sie möglicherweise. Aber die Zunge herausstrecken kann es nicht. Es wird Sie auch niemals spüren lassen, dass Ihr roter Gürtel in Kombination mit dem lila Hawaiihemd und den sonnengelben Shorts keine gute Wahl war – es ist nämlich farbenblind und hält höflich die Schnauze. So viel Zurückhaltung macht Krokodile richtig sympathisch, auch wenn sie jedes Jahr etwa zweitausend Menschen töten. (Anmerkung: Natürlich nicht, wenn Sie Schoelnasts Tipp beachten und einem zuschnappenden Krokodil beide Daumen in die Augen rammen, worauf es Sie sofort eingeschnappt loslassen wird.) Das sind übrigens weniger, als durch herabfallende Kokosnüsse sterben.

Angeblich. Denn ob die Weisheiten der Datenbank immer zu hundert Prozent richtig sind, lässt sich anzweifeln. Nicht einmal Hubert Schölnast, der Betreiber, will dafür seine Hand ins Feuer legen. Lieber bietet er Besuchern der Website die Möglichkeit, Einträge zu kommentieren und gegebenenfalls zu korrigieren.

Vorschläge für neue Einträge werden ebenfalls angenommen – und hübsch dosiert veröffentlicht. Unverdrossen stellt der Österreicher jeden Tag einen neuen, möglichst nutzlosen Wissensschnipsel ins Netz. So wächst die Datenbank ständig und liefert immer neue, kuriose Erkenntnisse. Eine echte Spielwiese für jeden, der ein wenig Freude am Absurden hat.

Nichts ist notwendiger als das Überflüssige

Was man mit dem ganzen nutzlosen Wissen macht, das man hier erwerben kann? Angeben zum Beispiel. Imponieren. Überraschen. Verblüffen. Überrumpeln. Amüsieren – sich und andere. Wie das geht? Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einer Cocktailparty. Einer langweiligen Cocktailparty, mit lauter langweiligen Gästen. Da stehen Sie nun, in der linken Hand ein Glas Prosecco, in der rechten ein Canapé mit Frischkäse und Olive, festgenagelt zwischen einem langweiligen, korpulenten Küchengerätehändler (alle originellen, witzigen, unterhaltsamen Küchengerätehändler mögen bitte großzügig ein Auge zudrücken), seinem Frauchen, einer Palme und einer dorischen Gipssäule.

Der Küchengerätehändler setzt zu einem Vortrag über die Vorteile seiner neu ins Programm aufgenommenen Multifunktions-Kohlrabisaftpresse aus garantiert rostfreiem Edelstahl an, sein Frauchen liegt ihm in peinlicher Kritiklosigkeit zu Füßen, die unverschämt gesunde Palme verbrüdert sich mit der architektonisch völlig überflüssigen dorischen Säule, beide gemeinsam versperren Ihnen den Fluchtweg, und was machen Sie?

Genau: Sie langweilen sich zu Tode, noch bevor ihr Gegenüber so richtig Fahrt aufgenommen hat. Es sei denn, Sie sind regelmäßig Gast bei Schoelnast und verfügen über die daraus resultierende, sehr spezielle Allgemeinbildung. Denn dann zücken Sie die geistige Geheimwaffe und werfen bereits zu Beginn des Gesprächs in beiläufigem Plauderton einen Satz ein, der etwa so klingt: „Ist es nicht ausgesprochen erhellend zu wissen, dass Thomas Edison Angst vor der Dunkelheit hatte?“

Der Nutzen des Nutzlosen: es belebt die Konversation

Oder Sie knabbern mit spitzen Zähnen an Ihrem Canapé, nippen an Ihrem Prosecco, fixieren Ihr Gegenüber mit eindringlichem Blick und sagen völlig zusammenhanglos: „Seelöwen lieben es, zum Zeitvertreib Meeresleguane am Schwanz zu ziehen.“ Oder: „Während schwerer Regenfälle starren viele Truthähne mit offenem Schnabel in den Himmel und ertrinken dabei.“ Oder: "Es ist verboten, die Staatsgrenze von Minnesota mit einem lebenden Huhn auf dem Kopf zu überqueren." Oder auch: "Japaner können Algen besser verdauen, und jeder zehnte Franzose nahm 2008 Psychopharmaka." Glauben Sie es: Ruckzuck wird das Gespräch eine unerwartete Wendung nehmen.

Funktioniert nicht, meinen Sie? Probieren Sie es aus – Sie werden überrascht sein, wie viele Menschen vom Nutzlosen, Überflüssigen und Zweckfreien fasziniert sind. Und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm. Das betretene Schweigen, das Sie mit solchen Konverstationsbeiträgen auslösen, gibt Ihnen eine gute Gelegenheit, zu verschwinden. Wohin? An den Computer, um auf Schoelnasts Datenbank des nutzlosen Wissens nachzuschlagen, auf welche Seite denn nun die vergifteten Ameisen umfallen.

Claudia Lampert - Autorin. Fotografin. Journalistin. Spielegrafikerin. - Darüber hinaus: Mensch.

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